Unsere Wurzeln

Die Pfarrgemeinde Bad Bleiberg

 

Der Ort „Pleyberg pey Villach“ wird am 24.Juni 1333 zum ersten Mal erwähnt. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass schon Jahrhunderte früher indem etwa 900 Meter hoch gelegenen Tal nördlich des Dobratsch nach Blei gesucht und geschürft wurde. Wie auch in Deutschland, so gehörten ebenso in Österreich die Bergleute zu den ersten Anhängern der lutherischen Lehre. In der katholischen Kirchengeschichte von Kärnten ist zu lesen: „ Um den Bergbau zu heben, wurden erfahrene Bergleute, namentlich aus Sachsen und Schwaben hereingezogen. Gerade diese eingewanderten Bergleute und Handwerker leisteten in der Gegenreformation den hartnäckigsten Wiederstand. Bergleute von Bleiberg brachten die Neuerungen nach Villach und bald war die bambergische Stadt eifrig protestantisch.“ Seit dem 8. Februar 1060 gehörte nämlich Villach wie Bleiberg zum Besitz des Bistums Bamberg. In einer Bamberger Schrift vom 8. März 1539 wird über das Eindringen „der neuen leer und ir überhand nehmen“ in Bleiberg geklagt. Noch im Jahr 1593/1594 bezeichnete der Visitationsbericht des Patriarchen Franz Barbaro von Aquileja den Pfarrer von Bleiberg als Lutheraner.

 

Am 25. September 1600 steht Bischof Brenner, genannt „der Ketzerhammer“, mit einem Fähnlein Fußvolk und 300 Musketieren beim Schloss Wasserleonburg bei Nötsch im Gailtal. Aber die Knappen aus Bleiberg samt der benachbarten Bauernschaft hatten sämtliche Wege verrammelt und erwarteten ihn wohlbewaffnet. Nachdem aber schließlich die Bürger von Villach den Eid auf den katholischen Glauben geleistet hatten, heißt es in der Kirchengeschichte von Kärnten: „Auch Tarvis, Raibl, Malborghet, ja selbst das widerspenstige Bleiberg beugten sich.“ Wiederspenstig blieben die Bleiberger in den nachfolgenden fast 200 Jahren der Gegenreformation. Viele Knappen verließen den Ort aus Glaubensgründen, so dass am Ende der Bergbau arg darnieder lag. Abgelegen wohnende Bauern tauften anscheinend ihre Kinder selbst; denn sie erschienen nur in den katholischen Trauungsmatriken aus dieser Zeit mit dem unterstrichenen Zusatz: ungetauft und ungefirmt. Selbst unter den katholischen Ortspfarrern befanden sich „Geheimprotestanten“. So erzählten laut Gemeindechronik im Jahre 1784 Gemeindemitglieder von einem katholischen Geistlichen: „Dieser kam oft in ihrer Eltern Haus, und wenn er ein wenig getrunken hatte, so redete er ganz offenkundig von der lutherischen Lehr und gab ihnen im geheimen eine Bibel.“ Dem entspricht auch, dass das Toleranzpatent Kaiser Josephs II. Anfang 1782 vom damaligen Bergrichter zu Bleiberg an der Tür des Berggerichtsamtshauses angeschlagen wurde, „und zwar eher als es von der Grundobrigkeit, dem Burgamt Villach, zu Bleiberg war publiziert worden.“ (Gemeindechronik)

 

Bis Ende 1782 meldeten sich 314 Bleiberger als Evangelische. Zusammen mit der ehemaligen Tochtergemeinde Bleibergs, Agoritschach, waren es schließlich 496, also 4 Personen weniger als die erforderliche Zahl 500. Unter Hinweis auf die tödlichen Unfälle im Bergwerk und durch Bittschriften sowie persönliche Vorsprache des Bergwerkbesitzers Kaspar Spitaler in Wien, gelang es endlich doch, die Erlaubnis zur Gründung einer eigenen Pfarrgemeinde und Bestellung eines Pfarrers zu erhalten. So wurde 1783 ein Bethaus aus Steinen, die jetzige evangelische Kirche, erbaut. Trotz Wiederstandes von katholischer Seite erhielt das Bethaus eine Apsis (halbrunde od. vieleckige Altarnische im Chor einer Kirche) und hohe Fenster und sah so im Gegensatz zum Toleranzpatent von Anfang an wie ein kirchliches Gebäude und nicht wie ein Wohnhaus aus.

1858 wurde ein Turm an das Bethaus gebaut. Die vier Stahlglocken tragen die Jahreszahl 1856 und gehören damit zu den ältesten Stahlglocken der Welt ( 1. Stahlglocke 1855, Pariser Weltausstellung ). 1785 wurde das noch heute bestehende Pfarrhaus errichtet und 1828 mit einem Schulanbau, heute Diensträume und Gemeindesaal, versehen. Von Anfang angehörte ein evangelischer Friedhof neben der Kirche dazu. Bereits 1793 wurde eine Orgel angeschafft. Zu den Besonderheiten der Kirche gehört auch das Bild Josephs II. von dem Villacher Maler Sutner aus dem Jahr 1796 mit der Unterschrift

 

„Vergänglich ist dies Haus, doch Josephs Nachruhm nie.

Er gab uns Toleranz – Unsterblichkeit gab sie.“